Induktives Härten

Induktives Härten

Präzise Randschichthärtung für höchste Ansprüche

Beim induktiven Härten, auch Randschichthärten genannt, wird nur die Oberfläche eines Bauteils auf Austenittemperatur (typischerweise 800–950 °C) erhitzt und anschließend schnell abgeschreckt. Die Wärme entsteht direkt im Werkstück – berührungslos und exakt dosiert – wodurch sich die Randschicht in Martensit umwandelt und extrem verschleißfest wird. Der Kern bleibt zäh und formstabil. Dieses Verfahren eignet sich besonders für hochbelastete Bauteile wie Zahnräder, Wellen und Lager.

GRUNDLAGEN

Wie funktioniert induktives Härten?

Eine stromdurchflossene Induktionsspule erzeugt ein wechselndes Magnetfeld. Dieses induziert Wirbelströme in der Randschicht des Werkstücks und erwärmt sie innerhalb weniger Sekunden auf Austenittemperatur. Danach wird die Schicht durch Sprüh- oder Tauchabschreckung schnell abgekühlt; die zuvor entstandene Austenitstruktur wandelt sich in Martensit um.

  • Abschrecken: erfolgt mit Wasser, Polymer oder Öl; es bildet sich die martensitische Randschicht.
  • Selbstabschrecken: bei massiven Werkstücken kann der kalte Kern als Wärmesenke dienen.
  • Eindringtiefe: ist frequenzabhängig: Hochfrequenz (HF) erzeugt dünne Härtetiefen (<1 mm), Mittelfrequenz (MF) größere Tiefen (1–5 mm).
Vorteile

Warum induktives Härten die bessere Wahl ist

Geringer Verzug – Lokale Erwärmung und abgestimmte Abschreckung sichern Maßhaltigkeit.

Gezielte Härtung

Nur Funktionszonen werden gehärtet; der Kern bleibt zäh.

Hohe Prozessgeschwindigkeit

Aufheizen und Abschrecken dauern Sekunden; kurze Taktzeiten erhöhen die Ausbringung.

 

Automatisierbar & reproduzierbar

Programmgesteuerte Anlagen liefern konstante Härteverläufe und auditfähige Dokumentation.

Höhere Dauer- und Schwingfestigkeit

Druckeigenspannungen in der Randschicht verbessern die Ermüdungsbeständigkeit.

Energieeffizienz​

Direktes Erwärmen ohne Ofen spart Energie und senkt Stückkosten.

Flexibel

Punktuell, partiell oder umlaufend; Einhärtetiefe über Frequenz, Leistung und Zeit präzise parametrierbar.

Geringer Verzug

Lokale Erwärmung und abgestimmte Abschreckung sichern Maßhaltigkeit.

WERKSTOFFE

Welche Materialien eignen sich?

Am besten geeignet sind un- und niedriglegierte Stähle mit einem Kohlenstoffgehalt zwischen 0,3 % und 0,6%, die beim Abschrecken eine martensitische Randschicht bilden. Gusseisen mit perlitischem Grundgefüge (GJS) und legierte Stähle lassen sich bei entsprechender Legierung ebenfalls randschichthärten. Bei Stählen mit geringerem Kohlenstoffgehalt kann eine Vorbehandlung (Aufkohlen) notwendig sein.

PROZESSVARIANTEN

Single-Shot, Scanhärten und Doppelfrequenz im Überblick

Single-Shot (stationär)

Ein Impuls erhitzt einen Bereich und wird sofort abgeschreckt; ideal für wiederkehrende Geometrien.

Scanhärten (einziehend)

Der Induktor fährt entlang der Kontur, z. B. bei Wellen oder Zahnflanken; sorgt für gleichmäßige Härteverläufe.

Doppelfrequenz / Hybrid

Kombination von MF und HF, simultan oder sequentiell, erzeugt definierte Härtetiefen und saubere Übergänge – typisch beim Zahnradhärten.

Spinn-/Umlaufhärten

Das Werkstück rotiert; z. B. Lagerringe werden umlaufend gehärtet.

Zahnradhärten

Selektive Erwärmung einzelner Zähne oder ganzer Konturen; lastgerechte Härteprofile.

Abschreckstrategien

Sprüh- oder Ringdüsen mit geregeltem Druck/Temperatur; Quench‑Delay (Verzögerung) und Mediumwahl minimieren Verzug.

SCHUTZGAS & ATMOSPHÄRE

Wann ist Schutzgas sinnvoll – und wann überflüssig?

Beim induktiven Härten wird in vielen Fällen in Luft erwärmt. Die kurzen Aufheizzeiten und das direkte Abschrecken begrenzen Oxidation und Zunderbildung, außerdem werden viele gehärtete Flächen anschließend geschliffen oder gestrahlt. Für diese Anwendungen ist eine Schutzatmosphäre meist nicht notwendig.

Schutzgas, zum Beispiel N₂ oder Ar, ist dann sinnvoll, wenn funktionale Flächen möglichst frei von Zunder, Verfärbungen und Entkohlung bleiben sollen. Das betrifft sichtbare Wellen, Laufbahnen oder gehärtete Bereiche mit engen Toleranzen, bei denen nur wenig Material abgenommen wird. In solchen Fällen legen wir Einhausung, Gasführung und Abschreckkonzept auf Ihr Bauteil und Ihren Takt aus. So setzen Sie Schutzgas gezielt dort ein, wo der technische und wirtschaftliche Nutzen wirklich stimmt.

QUALITÄT & NACHWEIS

Härteverlauf sicher beherrschen und dokumentieren

Zur Qualitätssicherung gehören Härteprüfungen (Vickers, Rockwell), die Bestimmung der effektiven Randschichttiefe nach Grenzhärtewerten (z. B. 450 HV), Metallografie des Gefüges sowie Prüfungen auf Entkohlung sowie Risse. STEREMAT unterstützt Prozessdaten-Logging, Rezeptverwaltung und Prüfprotokolle – lückenlos und auditfähig.

PROZESSPARAMETER

Frequenz, Leistung und Abschreckung zielgenau abgestimmt

Die Randschicht wird auf die jeweilige Austenittemperatur erhitzt, mit kurzer Haltezeit und hoher Aufheizrate. Parameter wie Leistung, Frequenz, Erwärmzeit, Vorschub (beim Vorschuberwärmung), Induktorabstand und Quench Delay bestimmen den Härteverlauf und das Verzugsverhalten. Das Abschreckmedium (Wasser, Polymer, Öl) sowie Druck und Temperatur werden auf Reproduzierbarkeit und geringen Verzug abgestimmt.

NACHBEHANDLUNG

Anlassen für Betriebsfestigkeit und Maßhaltigkeit

Nach dem Abschrecken kann die Randschicht angelassen (tempern) werden, um Sprödigkeit zu reduzieren und die gewünschte Zähigkeit einzustellen. Das ggf. notwendige Feinschleifen zur Erreichung der Zielmaße erfolgt in der Regel kundenseitig.
SENSORIK & REGELUNG

Prozesssicherheit durch Mess- und Steuertechnik

Kontaktlose Temperaturmessung (Pyrometer), Strom- und Spannungsüberwachung sowie Durchfluss-, Druck- und Temperaturkontrolle in der Abschreckung sorgen für stabile Prozesse. Abschreckverzögerung (Zeit zwischen Heizende und Abschrecken) und Regelkreise werden pro Bauteil im Rezept hinterlegt.
HÄRTEANLAGEN & PROZESSENTWICKLUNG

Passgenaue Induktions­härte­anlagen

STEREMAT konzipiert und baut Induktionshärteanlagen, die exakt auf Bauteilgeometrie, Werkstoff und Einhärtetiefe ausgelegt sind. Vom ersten Versuch bis zur Serienanlage erhalten Sie reproduzierbare, dokumentierte Prozesse. Inklusive Abschrecktechnik, Quench-Design und Integration in Ihre Linie.

Unsere Leistungen

  • Induktoren & Erwärmungsgeometrie: ein-/mehrwindige; punktuell, partiell, umlaufend; optimierter Generatoranpassung und Kühlung.
  • Generatoren & Frequenztechnik: MF-, HF- und Multifrequenz-Generatoren für gezielte Einhärtetiefen und kurze Aufheizzeiten.
  • Abschreck- & Kühltechnik: Sprüh-/Ringdüsen; geregelter Druck und Temperatur für reproduzierbare Ergebnisse.
  • Prozessentwicklung & Versuchsfertigung: Parameterfindung, Härteverlauf, Quench Delay, Taktzeit- und Verzugoptimierung.
  • Automation & Integration: Handling, SPS/CNC, OPC UA; Datenübergabe an QS/MES; Traceability.
  • Qualität & Dokumentation: Härteprüfungen, Rezeptverwaltung, Prüfprotokolle für Nachweisführung.
  • Retrofit & Modernisierung: Leistungs- und Steuerungs-Upgrades bestehender Anlagen.

Ihre Vorteile

  • Maßgeschneiderte Prozesse für jede Geometrie und Einhärtetiefe
  • Kurze Taktzeiten dank schneller Erwärmung und abgestimmter Abschreckung
  • Nahtlose Linienintegration inkl. Automation und Datenschnittstellen
  • CE-konforme Umsetzung mit vollständiger technischer Dokumentation
ANWENDUNGEN

Beispiele aus verschiedenen Branchen

Automotive & Mobilität

Zahnräder, Wellen, Nocken-/Kurbelwellenzapfen, Lagersitze, Achsen, Gelenkkomponenten

Getriebe- & Antriebstechnik

Zahnflanken, Steckverzahnungen, Laufbahnen von LagerringenWerkzeuge, Schneiden, Formeinsätze, Laufbahnen

Maschinen- & Anlagenbau

Spindeln, Führungsbahnen, Exzenter, Kupplungsteile

Werkzeug- & Formenbau

Schneiden, Formeinsätze, Führungsstifte, Konturen/Kanten

Medizintechnik

Instrumentenschneiden, Greifkonturen, miniaturisierte Antriebsteile

Nutzfahrzeuge & Bahn

Achsschenkel, Lagersitze, Kupplungs-/Fahrwerkskomponenten

So laufen Projekte mit STEREMAT

BRANCHEN

Induktives Härten für Industrie und Serienfertigung

Induktives Härten ist in vielen Industrien etabliert – überall dort, wo Bauteile über die Lebensdauer hinweg höchsten Belastungen standhalten müssen. Die Technologie liefert reproduzierbare Ergebnisse und lässt sich nahtlos in bestehende Linien integrieren.
Downloads

Downloads – Wissen & Technik auf einen Klick​

Hier finden Sie eine kuratierte Auswahl an Unterlagen zu unseren Verfahren und Lösungen – von Leitfäden und Fallbeispielen bis zu Checklisten und technischen Hinweisen. Die Sammlung wird fortlaufend erweitert; verfügbare Dokumente stellen wir als PDF bereit.

Periodensystem für Induktion

In dieser PDF erfahren Sie eine strukturierte Einordnung der Elemente im Kontext induktiver Erwärmung, grafisch aufbereitet und schnell erfassbar.
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Induktives Härten von U-Profilen mit Verzugskompensation

In dieser PDF erfahren Sie, wie U-Profile an der Innenkontur induktiv gehärtet werden – trotz natürlichem Bauteilverzug. Ein Anti-Crash-System im Induktor und Feldverstärker sorgen für gleichmäßige Einhärtetiefe von 2 mm.
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Induktives Härten von Rotornaben

In dieser PDF erfahren Sie, wie Rotornaben mit angepasstem Form-Induktor und Feldverstärkern gezielt gehärtet werden. Die Methode erreicht Härten von 50–55 HRC bei 1–2 mm Randschichttiefe – ideal für hohe mechanische Belastungen.
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Induktives Härten komplexer Nockenwellen

In dieser PDF erfahren Sie, wie Nockenwellen im Vorschubverfahren mit unterschiedlichen Einhärtetiefen an Nocken, Lagerstellen und Kegeln bearbeitet werden. Die Kombination aus Hoch- und Mittelfrequenztechnik sorgt für Härten zwischen 60–64 HRC.
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Punktgenaues Härten von Lagerstiften

In dieser PDF erfahren Sie, wie Lagerstifte an exakt definierten Stellen gehärtet werden – ohne Durchhärtung. Das Hochfrequenzverfahren ermöglicht Einhärtetiefen von 0,5–1 mm bei gleichbleibender Maßhaltigkeit.
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Kettenräder doppelt gehärtet – Außen- und Innenflächen im Fokus

In dieser PDF erfahren Sie, wie Kettenräder an Außenverzahnung und Innenbohrung gleichzeitig induktiv gehärtet werden. Mit integrierter Kühlung im Induktor und automatisiertem Drehtellerprozess werden Einhärtetiefen von 1–2 mm präzise erreicht.
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Induktives Härten von Zahnstangen

In dieser PDF erfahren Sie, wie Zahnstangen bis 2 m Länge im Vorschubverfahren gehärtet und angelassen werden. Das Verfahren erzielt eine Härte von 58–59 HRC bei mindestens 1,2 mm Einhärtetiefe – für langlebige, verschleißfeste Antriebsbauteile.
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Individuelles Einzelzahnhärten von Windkraft-Getrieben

In dieser PDF erfahren Sie, wie einzelne Zähne von Windkraft-Zahnrädern mit bis zu 4,5 m Durchmesser präzise induktiv gehärtet werden. Die Technik sorgt für hohe Oberflächenhärte (50–60 HRC) und eine Mindesteinhärtetiefe von 4 mm – optimal für höchste Belastungen.
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FAQs

Hier beantworten wir kurz und präzise die wichtigsten Fragen zum Thema induktives Härten.

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Fehlt Ihnen eine Information? Schreiben Sie uns – wir beantworten sie gerne und erweitern unseren FAQ-Bereich fortlaufend.